SCHLAMPENPOSITIONSPAPIER

 

 
 
 
 
 

 
Der postmoderne lebenstüchtige Funktionalist, der sich anstelle des eigentlich für dieses neue Jahrtausend veranschlagten Neuen Menschen in unserer Zeit darstellt, wird als ein Optimist und Realist gesehen, der völlig zu Recht nach Macht und/oder Geld und/oder Erfolg strebt. 

Die Welt geht ja schließlich nicht unter, und man muß schauen, wo man bleibt 
– UND IRGENDWANN IST SCHLUSS MIT LUSTIG.
 

Daß es sich bei den karriereorientierten Leuten von heute nicht um Realisten sondert nur um die verblendetsten aller Mystizistiker handelt, macht sich vor allem in ihrer geradezu krankhaften Ablehnung von Pessimismus und Irrationalität breit. 

Mehr noch, es läßt sich nicht einmal als Ablehnung bezeichnen, vielmehr ist es ein Überhaupt-Nicht-Zur-Kenntnis-Nehmen anderer Lebensweisen. 

 

(„WAS MIR NICHT GEFALLEN KÖNNTE, WAS MICH VON MEINEM WEG ABBRINGEN KÖNNTE, WEIL ES MICH AUF SINNLOSE GEDANKEN BRINGEN KÖNNTE, DAS SEHE ICH GAR NICHT, ICH NEHME ES NICHT WAHR.
 
ICH DARF GAR NICHT ERST DENKEN, DASS ES SO ETWAS GEBEN KÖNNTE WIE EINE ANDERE ART UND WEISE, DANN GIBT ES SIE AUCH NICHT!“)


Ich sage deshalb Mystizismus zum Globalismus und zum Funktionalismus dieser Ära, weil diese letzteren beiden Ismen so scientology- oder sonstwie sektenartig sind und sich absolut selbstherrlich als den Inbegriff aller Dinge darstellen, als Quintessenz der modernen Weltordnung. 

 
 
 

Wir Schlampen hingegen positionieren uns nicht außerhalb der Weltordnung, wir machen uns nur keine Illusionen, daß es noch von Bedeutung sein könnte, ein auf Historizität und Grabsteinspruch orientiertes Dasein zu führen – DIE SCHLAMPE ERLAUBT SICH NICHT, SICH IN IRGENDEINER WEISE THEMATISCH ZU VERFESTIGEN. SIE IST EINE UNABLÄSSIGE ABFOLGE VON MIKROPROZESSEN UND ENTWICKLUNGEN UND VERÄNDERUNGEN.

 



Schlampenexistenzgründungsansätze - Diskussionsabschnitt A:

 

  • Wir sind völlig lasch und kümmern uns um nichts. Die Politik ist uns nicht egal, aber wir machen sie anders als die Politiker. Statt dessen leben wir Schlampen dafür in lauter verschiedenen, sich permanent erneuernden Lebensformen, die sich in keiner Weise rational oder realitätstechnisch nutzbar machen lassen. Wenn sich Schlampen begegnen, reden sie sich gerne in Rage und dabei auch dauernd, ganz zu Recht, aneinander vorbei. Faulheit und Dysfunktionalität sind keine zwingend notwendigen Grundvoraussetzungen zum Dasein, aber äußerst hilfreich bei der SCHLAMPENEXISTENZGRÜNDUNG.

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  • Der Anfang des Schlampensdaseins: KILL YOUR IDEALS. Ideale sind gut im Inneren, aber sie funktionieren in der Wirklichkeit nicht. Es handelt sich bei dem Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung nicht um eine Idee, mit der man für längere Zeit arbeiten kann.

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  • Die Mentalität der Europäer, wie ich gestern in einer Fachrunde erfuhr: 

Wir durchlaufen vier Stadien TRAUER – WEINEN – LEIDEN – ELEND. Am Ende des ELENDS steht entweder die Transzendenz (auf eine höhere Ebene des Daseins, die Lebensform der SCHLAMPE), oder – und so geht es den meisten Erwachsenen Europäern - sie durchlaufen die vier Phasen erneut noch einmal von vorne, mancher springt auch völlig unwillkürlich zwischen den einzelnen Stadien hin und her.
     
  • Wir wollen zwar die Gesellschaft nicht verändern, deswegen können wir aber trotzdem interessiert mitverfolgen, wie die tatsächliche Absurdisierung des Daseins voranschreitet und unsere offizielle Realität sich selber konsequent zugrunde richtet. Wir dürfen nichts unkommentiert lassen. Wir werden dafür von Schlampengegnern wie Gerhard Schroeder, Herbert Grönemeyer oder Fernsehrichterin Barbara Salesch oft als süffisant und gehässig interpretiert - doch es gibt wahrhaft Schlimmeres.




 

Schlampenexistenzgründungsansätze - Diskussionsabschnitt B:
 

  • Menschen ohne Eigenschaften sind besser als Menschen mit Eigenschaften. Eine Eigenschaft schafft den Teilaspekt der Persönlichkeit, der Identität – und die Persönlichkeit, die Identität ist das Selbst, das zum Greifbaren erstarrt, zur Nutzbarmachung durch die Arbeitswelt oder marktwirtschaftlicher Interessen. Menschen, die ihr Leben nur vor dem Fernseher verbringen und gar nichts anderes mehr denken und sagen können als das, was ihnen von diesem Gerät mitgeteilt wird, sind trotzdem bessere Menschen als TAZ-, Junge-Welt- oder Jungle-World-Journalisten.

     
  • Von den Beauties On Duty gibt es ja ein Lied mit der Textzeile „THE COLOUR OF COUPLES IS PALE GRAY“. Mir sind alle Menschen, die sich in der Öffentlichkeit ostentativ als glückliches Pärchen präsentieren, Händchen haltend, Küsse und Zärtlichkeiten miteinander austauschend, zuwider. Im Privaten ist ihre Existenz von nicht geringerer soziokultureller Sterilität.

Bei der Beziehungsform des Pärchens handelt es sich um den hermetischsten, den emotional abgesichertsten, geradezu institutionalisierten Raum, in dem sich alles Irrationale, mit schönen Gefühlen behaftete gerade noch so abspielen darf. Jegliche andere Form von Irrationalität und schönen Gefühlen wäre staats- und systemgefährdende Subversion und darf allenfalls für kurze Zeit unbemerkt in irgendwelchen Kunstgalerien hängen, bevor jemand Wichtiges es bemerkt und die Ausstellung geschlossen wird. Der nächste Schritt ist dann die Familie.
     
  • Die Familie ist der Mikrokosmos, in dem der Staat geübt wird, gewissermaßen mit SPD-Bundeskanzler und CDU-Bundespräsidentin im Kleinen sowie den grünen oder parteilosen oder FDP- oder FPÖ-Kinderchen.

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  • Schwule und Lesben sind keinen Deut besser. Auch die Anstrengungen, den Status einer Homo-Ehe hinsichtlich gesetzlich festgelegter Rechte und Privilegien in Anführungsstrichen „zu optimieren“, gehen in die völlig falsche Richtung. Was interessieren mich die Privilegien, die mir dieser Staat auferlegen will. 

     
  • Ich bin immer noch verblüfft, daß keiner der schwullesbischen Politiker und LSVD-Funktionäre auf meine Vorschläge vom 1. Mai 2001 reagiert hat, die verbesserte HOMO-EHE ZU FÜNFT EINZUFÜHREN und das Jugendschutzalter auf dreizehn Jahre herabzusetzen. Die Dynamik der Fünfer-Beziehung entspricht ähnlich wie die Clique einer flirrenden Virtualität des Daseins.

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Schlampenexistenzgründungsansätze - Diskussionsabschnitt C:
 

  • LESS AESTHETICS MORE ETHICS steht in großen Neonbuchstaben auf einem der imposanten Gebäude an der Stralauer Allee neben der Oberbaumbrücke. Diese Aussage illustriert deutlich die gedanklich kastrierte Gefallsucht der ÄRA SCHROEDER MERKEL, die Deutschland in die Zeit der Fünfziger Jahre zurückführen will. Hier erinnere ich nur an Arno Schmidt. Als derzeitiges Ideal, seit Jahren schon, wenn auch etwas verstaubt, steht bei mir noch stattdessen die Idee, ETHIK UND ÄSTHETIK zusammenzuführen. Die Ästhetik verlangt nicht nach Rechtfertigungsversuchen unmoralischer Existenzen, solange diese von entsetzlicher Schönheit sind. Das entspricht den Forderungen, die Einheit von Moral und Stil herzustellen, oder auch dem Versuch, Marxismus und Pop wieder zusammenzuführen. Mein Ziel ist es, MARXISMUS und POP wieder zusammenzuführen, denn in ihren Ideologien bestehen keine Unterschiede von grundsätzlicher Bedeutung. Das ist eine Sache der Persönlichkeit. Was durch persönliche Differenzen getrennt wird, bringt persönlicher Einsatz wieder zusammen. 

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  • Teenager, besonders Jungs in der Pubertät, sind Wesen ohne Identität, ohne Kindheit, ohne Ideale, ohne verfestigte Zukunftsabsichten. Sie können nur noch in den Bahnen ihrer rational nicht faßbaren und lebenstechnisch nicht funktionalisierbaren Spiritualisierung ihrer erwachenden Sexualität  denken und – in der Außenwelt danebenstehend - ihrer geist- und seelenloser Existenz als kollektivem Fünf-Personen-Bewußtsein. Sie nehmen dieses Wesen ihrer selbst auf den Weg des Daseins, und mit etwas Glück bleiben sie für immer so. Scheußliche garstige Geschöpfe ohne Interesse für die Wirklichkeit.

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  • Ich bin auf der Suche nach einer Lebensform, einer intellektuellen Heimat, von der ich weiß, daß es sie nicht gibt. Es gibt kein Gedankengebäude, von dem ich weiß, daß es so statisch wäre, von mir über Dauer hinweg als Heimat bewohnt werden zu können. Früher habe ich das immer geglaubt, und auch jetzt, wenn ich an einem neuen Gedanken dran bin, glaube ich natürlich für die ersten Tage in meiner Euphorie und Begeisterung, das wird jetzt die Heimat, aber mittlerweile kenne ich mich schon zu gut und weiß, daß es umfallen wird, daß ich es umstürzen werde. Es gibt eine andere Lebensform, eine Heimat meiner Seele, die ich bezeichnen möchte als: 

das Akzeptieren der dauernden Suche innerhalb eines bestimmten Weges, den ich nicht kenne, aber ich weiß, daß es diesen Weg gibt, und ich weiß, daß ich mich auf einem bestimmten Weg voranbewege. Ich weiß, daß mich eine Idee trägt. Ich kann diese Idee nicht definieren, genausowenig wie ich auch nur annähernd versuchen kann, die Weltordnung in ein von mir faßbares Gebilde zu pressen. Aber ich weiß trotzdem, daß es eine Weltordnung gibt. Ich glaube an eine Ordnung und ich glaube an eine Wirklichkeit, das ist alles ein sehr religiöses Bekenntnis, ich ahne auch von der kosmischen Superintelligenz, und ich würde mich hüten, zu versuchen, diese kosmische Superintelligenz in irgendeiner Weise zu erklären (wobei das abschließende Nietzsche-Zitat aus dessen Götzendämmerung von 1889 "Ich fürchte, wir werden Gott nicht los, weil wir noch an die Grammatik glauben", auf den Ursprung aller jemals aufgekommenen Konfessionen im sprachbefähigten Gehirn des sich kulturell vergesellschaftenden Menschen als Spezies verweist. In mir ist hingegen die Bereitschaft gereift, kraft intellektueller Redlichkeit auf die Inanspruchnahme jedweder außerweltlicher Gewissensinstanzen zu verzichten und mich innerweltlich, meiner eigenen Reichweite gemäß der zwischenmenschlichen Verantwortung zu stellen). Ich weiß aber, daß etwas da ist, das mich WEITERTREIBT, was mich auch zum Beispiel bemühen läßt, in meiner Vorstellung von Anstand zu handeln, also sprich ein anständiges Leben zu führen, auch wenn es als DASEIN EINER SCHLAMPE sehr mit den Vorstellungen kollidieren tut, die andere Leute von Anstand haben. Das ist natürlich eine sehr unausgesprochene Lebensweise, vor allem, eine Heimat, die einem keinen Schutz bietet, mir wenigstens noch nicht, das ist mir auch ganz klar.
     

     
     

    PS:

Diese geile Grafik fand ich vor geraumer Zeit im Internet auf der URL site von Milena Moser, ich zitiere sie hiermit, weil sie die perfekte Ergänzung und ultimative Quintessenz besagter Definitionsfrage darstellt:

     

    Defintion