FURIAN STURMLÖFFEL
oder der stand der dinge

erster akt


Dia-Einblendung:

TEIL EINS: GOLDENE JUGEND

1. AKT, 1. Szene
Kurz, bevor die Zeit anfängt, stillzustehen


 

Wir hören mittelalterlich anmutende Tafelmusik. Der Vorhang hebt sich, wir sehen den Speisesaal im Palast des Königs von Pangaea, DR. SCHNEIDER, mit der langen Tafel, die jeweils am einen Ende und am anderen Ende gedeckt ist.

Der Mohr, KEBAB KENYA, stellt gerade noch einen Kronleuchter und eine Flasche Wein auf den Tisch - es scheint, als hätte er den Tisch gedeckt und sei ein Diener im Palast (was auch zutrifft). Er geht zu dem großen runden Gong und will ihn gerade läuten.

Da hört man die Stimme des näherkommenden Königs von Pangaea, DR. SCHNEIDER. KEBAB KENYA hält inne und schaut erwartungsvoll zur anderen Seite der Bühne, von wo aus er und alle anderen den König erwarten.

Folgendes hört man ihn sagen: "Wie überaus seltsam, daß ich darüber noch nie nachgedacht habe. Hast nicht wenigstens du schon einmal darüber nachgedacht, AMTHYS?" (Pause zu kurz für Antwort). "Ich lese und lese und lese schon so lange - und erst heute kommt mir dieser Gedanke..."

Der König von Pangaea, DR. SCHNEIDER, betritt die Bühne. Er hält ein Buch in den Händen, das er völlig vertieft liest, so daß er überhaupt nichts anderes wahrnimmt. "Da lese ich dieses Buch, und auf einmal finde ich das LESEN so toll wie früher, als ich noch Kind war. Aber will ich schlaue Dinge wissen? Will ich wissen, wie die WELT funktioniert? Will ich das begreifen, was mir niemand erklären könnte?" (Wieder die zu kurze Pause) "Nein, meine Tochter, nein, das ist es nicht! Will ich was vom Leben wissen? Soll mir der Schriftsteller die Antworten geben auf alle Fragen, AMTHYS? Nein - das soll er nicht! Aber nur zur Unterhaltung und zur Zerstreuung will ich ja auch nicht lesen! Was ist das eigentlich für eine Sache, was ist das für ein Ding, aus dem meine Träume entstehen? Wenn ich es verstehen will, merke ich, es gibt dafür keine Worte, nichts Greifbares. Warum fühle ich mich so, als hätte ich etwas wichtiges begriffen, das ich aber mit Worten nicht ausdrücken kann... Was meinst du dazu?"

Während er vertieft durch den Speisesaal streift und so vor sich hinredet, läuft KEBAB KENYA zum anderen Bühnenrand, hebt die Arme und breitet sie etwas aus (das signalisiert, das er etwas vermißt) und schüttelt verblüfft den Kopf. "Prinzessin?" ruft er fragend und verschwindet von der Bühne. Gleich darauf kommt er wieder zurück.

DR. SCHNEIDER spricht weiter, in dem Glauben, die Prinzessin sei da, während er sich hinsetzt, mit einer Hand noch das Buch hält und mit der anderen zu essen anfängt. "In der Zeitung wiederum stehen Alltagsgeschichten. Ganz normale Probleme, die jeder Mensch haben könnte - zum Beispiel König Flabarianos, der zwölf Töchter hat, die nachts immer in ein unterirdisches Schloß gegangen sind, um ihre zwölf verwunschenen Prinzen zu erlösen. Aber die Prinzen wurden noch viel mehr verwünscht, als die ganze Sache ans Licht kam. Siehst du, wie gräßlich es doch im wirklichen Leben zugeht?"

Er hebt den Blick. "AMTHYS?" fragt er erstaunt. "Tochter!" ruft er dann und dreht sich um. KEBAB KENYA eilt zu ihm. "Eure Tochter ist nicht erschienen, Majestät", ruft er. "Dann rufe sie zum Essen! Es gibt Heidelbeerkompott! Wenn sie nochmal sooo spät kommt, bzw. nicht da ist, wenn ich mit ihr rede, kriegt sie keins."

"Jawohl, euer durchlauchtigste Majestät." KEBAB KENYA nickt zuerst, dann hebt er den Kopf und schüttelt ihn, sagt aber nichts und verläßt die Bühne. "Prinzessin!" hört man ihn rufen. "Prinzessin!"

Eine andere Stimme von außerhalb der Bühne fängt auch an, etwas zu rufen; sie setzt beim zweiten "Prinzessin!" ein.

Die Stimme ruft: "Der Zauberer CARIDIAAN, der Blaue, steht vor dem Tor und bittet um Einlaß, Majestät!" - "Ausgezeichnet! Genau im richtigen Moment! Laßt ihn 'rein!" ruft DR. SCHNEIDER laut und reibt sich die Hände. Leise flüstert er zum Publikum. "Zauberer sind immer so lustig..." und kichert sympathisch, königshaft. Man hört, wie Türen auf und zu gehen, während der König genüßlich weiter schlemmmt.

"Vorzüglich!" lobt der König das Essen. "Wo ist mein Koch? Ich will ihn königlich loben! Ich habe den besten Koch der Welt - er schafft es immer, daß es mir schmeckt, egal, was für schwere Probleme mich plagen - und als König plagen mich natürlich die allerschwersten Probleme!"

Von der anderen Seite der Bühne her erscheint CARIDIAAN, der Blaue, ein Zauberer. "Guten Abend, euer Majestät", erklärt er, leise und höflich. "Oh guten Abend, lieber CARIDIAAN, mächtiger Zauberer. Nimm' doch Platz", begrüßt ihn DR. SCHNEIDER jovial. "Danke, ich stehe lieber", meint CARIDIAAN: "Über so ernste Dinge kann ich im Sitzen nicht reden."

"Ernste Dinge?" Der König verschluckt sich fast. "Das kann doch nicht dein Ernst sein!" ruft er aus. Leise raunt er zum Publikum: "Wann ist er mal nicht ernst? Immer geht morgen gleich die Welt unter." CARIDIAAN geht zum Tisch am Bühnenrand und dort vor ihm auf und ab, während er spricht. "Doch, es ist so. Ich würde dich ja auch nicht damit behelligen, wenn bloß die Welt unterginge." Der König fragt das Publikum: "Will er sich über mich lustig machen?" (Der Zauberer kichert unbemerkt und hört sofort auf, als der König sich wieder ihm zuwendet). Und dann meint DR. SCHNEIDER, etwas beunruhigter, zum Zauberer. "Aber was ist denn dann passiert? Ist es wirklich etwas Ernstes?"

"Allerdings, lieber DARIUS. Ich muß dir eine beunruhigende Entwicklung schildern. Der Räuber NIHIL BAXTER ist wieder auf freiem Fuß und hat die Staatskasse des Königs Flabarianos des Siebten in deinem Nachbarland Katatonien geplündert. Und jetzt - soll er sich innerhalb der Grenzen unseres Landes Pangaea befinden." - "Der Räuber NIHIL BAXTER? Er ist auf freiem Fuß! Das ist ja grauenhaft!"

Der König springt auf. "Er hat es doch nun bestimmt auf meine Staatskasse abgesehen! Ich muß sie in absolute Sicherheit bringen lassen!" Er will davonlaufen, aber der Zauberer ruft, seine Arme leicht hebend: "Halt, warte!" Der König dreht sich entsetzt zu ihm um. "Ist das noch nicht alles?" - "Das war doch erst die gute Nachricht, Majestät", erklärt CARIDIAAN. DR. SCHNEIDER, König von Pangaea, sinkt kraftlos in seinen Thron nieder. "Ich kann nicht mehr", erklärt er. Und nach einer kurzen Pause, in der er sich sammelt: "WAS IST DENN NOCH?!" CARIDIAAN zuckt ein wenig zusammen. "Ich bitte um Vergebung, euer Majestät. Aber es ist auch bekannt, wer den Räuber NIHIL BAXTER aus seinem Gefängnis befreite. Es war die Hexe ALEXIS C."

Der König stutzt. "ALEXIS 'C.'?" - "Ihr Nachname ist nicht bekannt, und ich weiß sowieso nicht viel über sie. Sie hat früher im Norden von Katatonien gelebt und dort gehext. Aber sie verließ ihren dortigen Zauberwald und legte sich an der Grenze Pangaeas einen neuen an. Bisher fand ich keine Gelegenheit, dort vorbeizuschauen, und sie machte bislang nichts allzu Böses, zumindest nicht, daß ich wüßte. Es könnte sich natürlich um die Frau handeln, mit der du vor zwanzig Jahren einmal verheiratet warst." (CARIDIAAN wird etwas ausschweifend). "König Flabarianos der Siebte hat wohl einige Probleme mit ihr gehabt - die konnte allerdings sein Hofzauberer, Schnupfus der Neunundachtzigste, mit einigem Erfolg lösen. Allerdings verstehe ich mich mit Schnupfus dem Neunundachtzigsten nicht besonders und kann daher nur Vermutungen darüber anstellen, was das für Probleme gewesen sein könnten."

"Verschone mich mit diesem BRIMBORIUM. Finde heraus, was diese Hexe ALEXIS C. will, ob sie meine Ex-Frau ist, und was mit dem Räuber NIHIL BAXTER los ist. Du mußt dich sofort auf den Weg machen!"

"Das hatte ich auch vor. Ich will dich nur warnen, daß jemand versuchen wird, viel Unheil anzurichten - entweder der Räuber oder die Hexe oder du..." - "Schon gut, schon gut! Ich werde den Schatz in Sicherheit bringen lassen - und zwar sofort. Mach dich sofort auf den Weg - und bring' mir Resultate! Ich muß alles wissen über ALEXIS C., vor allem, wie sie mit Nachnamen heißt! Wenn du Erfolg hast, verspreche ich dir, dich endgültig zu meinem Hofzauberer zu ernennen."

CARIDIAAN sagt laut und deutlich: "Schluck..."
Der König fährt zu ihm herum: "Wie war das?"

In diesem Augenblick hören wir einen lauten Ruf. "Majestät, Majestät!" KEBAB KENYA kommt auf die Bühne gerannt, mit einem Blatt Papier in der Hand. "Majestät, Majestät! Die Prinzessin..." - "Was ist mit der Prinzessin?!" unterbricht ihn DR. SCHNEIDER ungehalten. "Ist sie wieder unpäßlich?" - "Nein, ist sie nicht. Sie ist überhaupt nicht..." -

"Was soll das heißen?" unterbricht ihn DR. SCHNEIDER wieder. "Was ist sie überhaupt nicht?" - "DA!" ruft KEBAB KENYA laut. Erstaunt drehen sich der König und der Zauberer um. "WO?" fragen beide verwirrt. "Nein, sie ist nicht da!" Beide fahren wieder zu ihm herum, noch überraschter. "Was?!" - "Hier - ist ein Brief von ihr." sagt der Mohr und reicht dem König scheu das Papier, dann weicht er schon einmal vorsichtshalber ein paar Schritte zurück.

DR. SCHNEIDER, König von Pangaea, schnappt sich das Blatt Papier und liest es durch. "Lieber Papa, entschuldige bitte, daß ich es dir nicht selber sagen kann, aber du wärst ja niemals damit einverstanden. Ich habe beschlossen, mich endlich auf den Weg zum Silberwald zu machen, wo ich den Goldenen Vogel finden kann, denn nur mit seiner Hilfe kann ich es schaffen, meinen verwunschenen Prinzen zu erlösen. Sei bitte nicht böse und heb' mir den Kulturbericht vom Wochenendblatt auf. Dein Töchterlein AMTHYS, Kronprinzessin von Pangaea."

Er läßt das Blatt sinken. "Das ist ja unglaublich!" - "Wir müssen sie finden, Majestät. Jetzt, wo die Lage so unklar ist..." sagt der Zauberer und will gehen. "Ich werde dich begleiten, Zauberer CARIDIAAN. Ich muß es einfach tun. Ich muß meine Tochter wiederfinden und retten - und ich muß herausfinden, wer dieser verwunschene Prinz sein soll. Von dem ich noch nie etwas gehört habe." - "Dann machen wir uns gleich auf den Weg", beschließt der Zauberer. Sie verlassen zu zweit die Bühne.

"Majestät!" ruft KEBAB KENYA überrascht. Der König guckt wieder herein. "Ja?" fragt er erstaunt, in distinguiertem Tonfall. "Euer Abendessen wird doch kalt!" - "Ach ja, wie konnte ich das ich so völlig vergessen!" Der König langt sich an den Kopf und setzt sich wieder hin. "Eine gute Mahlzeit ist doch wirklich das Wichtigste im Leben eines Staatsmannes. Aah, dieser Koch, umwerfend! Übrigens werden wir den Koch auf unsere Suche mitnehmen, damit wir nebenbei auch nach ein paar Erdbeeren Ausschau halten können. Ich will Erdbeeren!"

Der Zauberer, der jetzt auch noch mal hereinschaut, stöhnt entnervt auf. Vorhang.

 
 

Im Speisesaal

(König Darius, Zauberer Caridiaan und Kebab Kenya im Speisesaal des Palastes)


 

 
1. AKT, 2. Szene


Wir sind im Wald, nahe des Silberwaldes, in freier Natur. Es ist keine Musik zu hören. DER GOLDENE VOGEL spaziert kurz in die Szene. Überrascht sieht er das Publikum und meint dann verlegen. "Oh. Ich bin noch gar nicht dran. Mein Auftritt ist ja erst später." Schnell verschwindet DER GOLDENE VOGEL wieder von der Bühne.

Es erscheint am Bühnenrand die Prinzessin AMTHYS, die vorsichtig durch die Gegend streift. Als sich von der anderen Seite her jemand zu nähern scheint, was man einem gewissem Pfeifen entnehmen darf, versteckt sie sich hinter einem der Bäume - man weiß ja nie.

Es erscheint FURIAN STURMLÖFFEL, der fröhlich ein Liedchen vor sich hinträllert. Es stammt von Max Goldt und geht etwa so: "Überall gibt's Limo für nur 59 Pfennig, mit Geschmack, der ganz schön crazy ist. Mit vier Mark kommt man durch den Tag, vorausgesetzt, man raucht nicht, und selbst dann, eventuell. Wer weiß? Wer weiß, wozu es nützlich ist, daß man nicht weiß, wofür man lebt. Dann kann man schön den Tag verschlafen, vorausgesetzt, man träumt nicht schlecht, obwohl das unterhaltsam sein kann..."

Er verstummt überrascht, als die Prinzessin sich wieder hinter dem Baum hervortraut und ihn anhält. "Heh, was singst du denn da für ein Lied?" - "Ooch, das hab' ich aus 'nem alten Buch, das ich mal gelesen habe. Aus einem uralten Märchenbuch. Gefällt es dir nicht?"

"Das habe ich nicht gesagt." - "Aber was du statt dessen gesagt hast, sagst du auch nicht!" - "Stimmt! Sag mal, wie heißt du, und was machst du?" fragt die Prinzessin versöhnlich. FURIAN richtet sich noch etwas mehr auf, wenn das möglich ist. "Heh, das ist mein Märchenwald, verstehst du? Und wer hier spazierengeht, der muß zuerst mir sagen, wie er heißt und was er macht, klar?"

"Wenn du das sagst", antwortet Prinzessin AMTHYS amüsiert. "Ich bin AMTHYS, Tochter des Königs DR. DARIUS SCHNEIDER, Kronprinzessin von Pangaea, und ich bin auf dem Weg zum Silbernen Wald, um dort den Goldenen Vogel zu finden, mit dessen Hilfe ich einen verwunschenen Prinzen erlösen kann."

"Donnerwetter!" FURIAN setzt sich hin. "Es muß doch auch einfachere Wege geben, um sich einen Prinzen zu angeln." AMTHYS scheint das alles ziemlich ernst zu nehmen. "Es muß ein verwunschener Prinz sein, das hat mir die Zigeunerin prophezeit, verstehst du. Aber du hast mir immer noch nicht gesagt, wie du heißt und was du hier machst?"

FURIAN beginnt mit dem Satz: "Ich bin FURIAN STURMLÖFFEL, und ich suche einen Freund, aber nicht irgendjemand. Mein letzter Freund hat mich kürzlich verlassen, um Koch am königlichen Hof zu werden. Nun bin ich allein in meinem Märchenwald. Es ist schön hier; ich kann alles machen, was ich will, aber ich bin verwöhnt von dem Zustand. Es ist eine Besonderheit, daß ich hier wohne und nicht anderswo. Trotzdem wüßte ich gerne, wie das wäre, in einer fernen Stadt zu wohnen, nicht im Paradies und nicht allein! Hätte ich trotzdem mein Gefühl von innerer Selbständigkeit?"

AMTHYS (versucht ihn zu unterbrechen): "Äh.."

FURIAN:
"Irgendwie ertrage ich es nicht, daß jeder Mensch für sich alleine ist in seinem Kopf. Selbst in meinem Märchenwald ist es nicht möglich, in seelischer Zweisamkeit zu leben. Allerdings und jedoch: Ich bin mal wieder bereit für eine Seelenfreundschaft - und ich freue mich auf alles, was ab jetzt geschehen wird, denn ich mache mich auf den Weg und verlasse meinen Märchenwald, und ich werde mir neue Freunde finden und einen neuen festen Freund und..."

AMTHYS: "Du kannst doch gleich sagen, daß du auch einen verwunschenen Prinzen suchst!"

Aber sie wird unterbrochen, ein dumpfes Grollen ertönt nämlich, und die Erde bebt fürchterlich. Die beiden fallen um. "Was ist das?" ruft die Prinzessin, steht wieder auf und rennt davon. "Die Erde bebt!" ruft sie im Fortlaufen. FURIAN richtet sich auf. "Heh!" ruft er ihr nach. "Bleib' stehen! Lauf' nicht in diese Richtung! Dort lebt FRONOBOLAX, der Drache!" Aber sie hört nicht und ist weg. Es wird wieder ruhig, und FURIAN beendet den Satz, in einem anderen Tonfall. "Und mit dem verstehe ich mich gar nicht, leider. Also ich mag ihn eigentlich, aber er mag mich nicht. Er mag überhaupt niemanden, auch keine Prinzessinnen. Er ist ein richtiger Drache." Und nach einer Pause. "Warum glauben Prinzessinnen immer, sie bräuchten mich nicht bis zu Ende anhören? Ich muß sie retten!" Er läuft los, ihr hinterher.

(Musik: Queen - "Flash to the Rescue")

Im nächsten Augenblick hört man ein lautes brüllendes, tiefes Gelächter. Sekunden später sieht man wieder FURIAN zurücklaufen, gefolgt von der schreienden Prinzessin.

Sie erreichen gerade das andere Ende der Bühne, als ein riesiger, schwarzer Schatten über sie hinweggleitet - und im nächsten Moment schwebt majestätisch der Drache FRONOBOLAX auf die Bühne. FURIAN und AMTHYS, denen der Weg abgeschnitten ist, stoppen bremsenquietschend und bleiben zitternd stehen.

Mit dumpfen, tiefen Gelächter landet der Drache vor den beiden. "Aah HAHAHA", sagt er finster. "Warum läufst du denn weg, Prinzessin AMTHYS! Das ist doch der Beginn einer langen, wunderbaren Freundschaft. Du siehst, ich kenne dich bereits."

AMTHYS ruft theatralisch: "Ich werde eher sterben, als daß du mir ein Haar krümmst!"

FRONOBOLAX sagt mit lauter, bedeutungsvoller Stimme: "Ich weiß alle Dinge, die man wissen kann, AMTHYS! Und dir ein Haar zu krümmen, wäre daher wenig aufschlußreich für mich! Nein, ich habe gewußt, daß du kommen würdest, und deshalb bin ich hier. Wir müssen uns unterhalten!"

FURIAN unterbricht ihn wütend: "In meinem Märchenwald!?"

FRONOBOLAX lacht wieder, dann sagt er ernster: "Aah. FURIAN, du kämpfst wie immer gegen die Natur der Schöpfung an, dabei weißt du doch tief in deinem Innern, daß sie die Wahrheit ist! Du willst dies nicht einsehen und strengst dich an, um das Leben zu transzendieren, anstatt dich mit der Wirklichkeit abzufinden, und das macht mich mißmutig dir gegenüber."

FURIAN bleibt gelassen: "Erzähl' keine Märchen."

FRONOBOLAX lacht: "Ich bin gespannt, wie du endgültig zu deiner eigenen Natur finden wirst! Jedoch bist du nicht der wichtige Punkt, um den es hier gerade geht.

AMTHYS, Kronprinzessin von Pangaea, Tochter des Königs DR. DARIUS SCHNEIDER - seit es die Menschen gibt, warten sie auf eine Aufgabe, die sie lösen wollen. Und jetzt stelle ich dir diese Aufgabe. Du bist der Mensch, der diese Aufgabe lösen muß. Vorher und nachher habe ich keine andere Aufgabe mehr!"

AMTHYS fragt (und zwar in dem Tonfall, in dem man fragt "Reichst du mir mal die Nagelfeile?"): "Was ist das für eine Aufgabe?"

FRONOBOLAX:
"SIEHE, ES KOMMT EINE FURCHTBARE MASCHINE IN DIE WELT. SIE WIRD ALLE PHANTASIE DER MENSCHEN ZU EINEM WERKZEUG DER UNTERDRÜCKUNGS-MASCHINE MACHEN. DAS ALLERSCHLIMMSTE IST: DIESE MASCHINE HAT KEINEN SINN - SIE BRINGT NUR DEN UNTERGANG. SIE RAUBT UNS UNSERE PHANTASIE UND WIR WERDEN ALLE ZOMBIES SEIN, NUR NOCH ROBOTER UND MASCHINEN."

Video-Einblendung:
(man sieht die UNTERGANGS-MASCHINE, die wie ein Fernseher auf Rädern aussieht)

FRONOBOLAX:
"DU ALLEIN KANNST DIESE MASCHINE AUFHALTEN, PRINZESSIN!

DENN ZU DIESEM ZWECK WERDE ICH DIE ZEIT ANHALTEN! IN SIEBEN STUNDEN WERDE ICH DIE ZEIT ANHALTEN, DANN LÄUFT NICHTS MEHR - UND DIESE MASCHINE LÄUFT DANN AUCH NICHT MEHR!

DOCH FÜR DICH, AMTHYS, WIRD DIE ZEIT WEITERGEHEN, UND DU DARFST WEITERE ELF PERSONEN AUSSUCHEN, FÜR DIE DIE ZEIT EBENFALLS WEITERGEHT. WENN DU DIE RICHTIGEN LEUTE WÄHLST, DANN WIRST DU ES MIT IHNEN SCHAFFEN, DIE MASCHINE ZUM STILLSTAND ZU BRINGEN. WENN NICHT, DANN WIRD ALLES AUFHÖREN FÜR JEDEN!"

Prinzessin AMTHYS setzt sich verdattert hin: "Ich habe sieben Stunden? Dann hört alles auf?"

FURIAN schüttelt den Kopf: "Du kannst es verhindern!"

FRONOBOLAX erhebt sich in die Lüfte: "Das Spiel hat begonnen, Prinzessin AMTHYS! Von nun an darfst du dir keine falschen Züge mehr erlauben!" Er lacht laut und schießt mit einem feurigen Blitz davon. "Die Zeit steht nicht still!"

Es wird still und ruhig im Märchenwald. FURIAN schaut noch lange in den Himmel, dem Drachen nach, während die Prinzessin aufsteht und beide Arme resigniert zum Kopf hebt.

AMTHYS:
"Sieben Stunden! Das heißt, ich muß so schnell wie möglich in den Silberwald, um dort den Goldenen Vogel zu finden, damit ich meinen verwunschenen Prinzen erlösen kann!"

FURIAN dreht sich verdattert um. "Wie bitte?" fragt er entgeistert. "Daran kannst du doch jetzt nicht mehr denken, Prinzessin! Du hast eine wesentlich wichtigere Entscheidung zu treffen!"

AMTHYS (setzt sich in Bewegung):
"Eben. Diese Entscheidung kann ich erst fällen, wenn ich meinen Prinzen erlöst habe, du kleiner Schlemihl."

AMTHYS hat es eilig. "Ich habe jetzt keine Zeit mehr. Ich muß meinen verwunschenen Prinzen erlösen! Alarmiere meinen Vater, DR. SCHNEIDER, den ..." - "... den König von Pangaea, ich weiß." beendet FURIAN den Satz. Die beiden verlassen die Bühne in entgegengesetzter Richtung und singen dabei die Haupt-Sequenz des Liedes "Making your mind up" von der Gruppe Bucks Fizz (Playback mit Gesang). Vorhang.

Ende des ersten Akts.

***
 
 

Im Zauberwald

(Prinzessin Amthys, Furian Sturmlöffel und der Drache Fronobolax)


 
 
 









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