FREE LOVE FOREVER

Neues von Zarathustras gutem Krieg 


(Musik: Prince and the Revolution - Let's Go Crazy)

 


INTRO:

zarathustra

(zitiert aus "Das Untier. Konturen einer Philosophie der Menschenflucht" von Ulrich Horstmann)



(Musik: Grace Jones - Corporate Cannibal)



SEKTION A:

Der Status Quo des Daseins, ein endloses Ende. Alles, was jemals begann, es endete "in Grausen und ertrank in Leid und Blut", der Mensch will nicht, dass es ihm gut geht, und jeder, jeder, jeder macht mit bei dem Spiel, welches der Ernst ist, und keiner sieht den Ausweg aus dem Rattenkäfig (dem makrokosmischen Verhaltenslabor), dem Irrgarten. Wo ist der Knick, wo der Knacks, wo löst sich die Wand auf und das Rad? Die Konvention (es müsse ein Ende haben), ist ein brachiales Szenario des Weltuntergangs, um uns endlich zu befreien aus dem Räderwerk der Geschichte. Als ob wir in der Zeit gefangen wären wie in der Idee von einem Prozess, der Anfang und Ende habe, doch was wäre, wenn wir kein Ende hätten? Das geht nicht in den Kopf hinein, denn dann hätten wir ja auch keinen Anfang. Die Linie ist doch ein begrenzter Verlauf!




(Musik: Howard Jones - Hide and Seek)




SEKTION B:


"We're rats in a cage. Suicide or go-go."
(Frankie Goes To Hollywood)


Der große Knick, der große Knacks! Ein Ende für das Ende! Quo ohne Status! Status ohne Quo! Während nunmehr die Apokalypse seit 20.000 Jahren tobt, erblicken wir das Licht am Ende des Käfigs, irren hinaus aus dem Garten, hinein in den Garten. In Raum und Zeit lacht der Tänzer und springt aus der Welt ... aus dem Schema, dem Linienverlauf ... aus der Illusion! Das Blut, das Lied (das Singen) vom Morgen, das Heil eines Endpunktes, alles löst sich auf, der Ernst und das Spiel. Das Spiel ist der Ernst! Und umgekehrt ... Der große Knick, der große Knacks! Ein Ende für das Ende!




(Musik: Frankie Goes To Hollywood - Rage Hard)



SEKTION C:

Rainer Maria Rilke - Archaischer Torso Apollos



Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.


Frühsommer 1908, Paris





(Musik: David Bowie - Sunday)




INTERMEZZO:

Die Stimme am Telefon (der Stimulus) -> was stellte sie mir in Aussicht (die Idee) : SM-Session oder Mord? Die Überlegung steht im Raum: Wer hat hier mit mir telefoniert? Die Umstände sind sonderbar... "Ich habe dich auch gestern gesehen..." Aber die rauchige Stimme eines Menschen im Stimmbruch, den ich nicht kenne, begegnet mir sympathisch - mit Ankündigungen, die wenig Schönes oder extrem Schönes ahnen lassen. Kommt ganz drauf an. Ich grüble nicht länger über die Umstände, es wird sich alles aufklären in kürzester Zeit, und es ist nicht einmal wichtig. So oder so, die Extreme reizen mich, noch nie fühlte ich gleichzeitig so viel Sehnsucht nach dem Tod wie nach der Liebe, den beiden Dingen, die mir das Telefonat mit dem Fremden, der mich kannte, verheißen, je nachdem. Wer er ist, ist egal, was ich tat, ebenso. Klar ist, wie versaut wir beide sind, so oder so, je nachdem.




(Musik: Minty - Useless Man)



SEKTION D:

Betrachten wir das Weltgeschehen als Konvention eines linearen Verlaufs mit Anfang und Ende, kommt man schnell an den Endpunkt der Geschichte, der sonderbarerweise bereits absorbiert scheint. Die These vom Ende der Geschichte sucht nach einer Entsprechung im Weltgefühl [dass das, was einen Anfang hat, auch ein Ende haben müsse]. Alles Drama, alles Leid, die endlosen Kriege und Greuel dominieren ein pessimistisches Bild vom Menschen als Monster, ein Bild, das gerne und oft als die stärkere Vision des Menschen erscheint, wo doch das gute Licht der Aufklärung hingegen stets blasser und weniger bedeutsam erscheinen mag. Rufe und Forderungen nach dem Ende ähneln religiösen Verblendungszusammenhangsmechanismen, das visuell attraktive Szenario der Apokalypse drängt in den Vordergrund, eine Weiterentwicklung scheint unmöglich. Auch Zarathustras Ruf nach dem guten Krieg (der die Sache heiligt) wirkt nur wie ein weiterer Ruf einer Ratte im Verhaltenslabor, die keinen Ausweg sieht außer Selbstmord oder Gogo-Tanz. Hedonistische Strömungen versickern im Treibsand der repressiven Entsublimierung, das Dogma des "Status Quo" und die Illusion vom "Ernst" dominieren eine realpolitische Vorstellung vom Lauf der Dinge und suggerieren dem Individuum ein fatalistisches Sich-den-Sachzwängen-Ergebenmüssen - doch hier fordert Bourdieu einen vehementen Widerstand und tritt ein für die absolute Freiheit der Kunst. Mein guter Krieg hingegen "tobt, tost, braust und wirbelt" für die absolute Freiheit der Liebe und des Selbstmords.


(Musik: Goldfrapp - Utopia)





SEKTION E:

Mit Bourdieu gegen Nietzsche, mit dem Tanz der Ratten gegen das Rad der Geschichte zu argumentieren, wirkt wie ein Knacks im Gefühl, wie ein Knick in der Optik. Dem endlosen Weltuntergangsszenario, der 20.000 Jahre währenden Apokalypse, einen guten Krieg für die absolute Freiheit der Liebe entgegenzusetzen, ein Irrsinn - doch seien wir frohen Mutes und entlarven wir die Täuschungen! ("Der Krieg als Sinnbild der Geschichte, die nach einem Ende in Form von Apokalypse verlangt, ist nur eine Scharade der Vernunft und des Ernstes ... - das Om Mani Padme Hum der Profitmaximierung") - doch seien wir frohen Mutes und entlarven wir die Täuschungen! Was einen Anfang hatte, muss kein Ende haben! Was schrecklichen Krieg und Leid brachte, Irrenhäuser und Gefängnisse, soll Spiel und Tanz der Formen und Farben und Welten werden!  - To be Continued ..................


(Musik: The Flying Lizards - Summertime Blues)

 


ALTERNATE ENDING:
Jacques Derrida ~ "On Deconstruction and Necessity"


(Musik: Traktion - Mission ASCII)


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Diese Sendung könnt ihr euch hier (oder auch direkt auf der virtuellen Klangwiese MIXCLOUD) anhören:




copyleft 2017 Daniel Emerson Aldridge
   


 
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