Der Schuljungen-Report




0.

DREI PROLOGE
 

SAPHIRA:
SILENCE IS A BEAUTIFUL PLACE WHERE CHAOS IS IN ORDER
 
 
 

- GELÄCHTERKLANG -

 

ERSTER PROLOG
 

EIN BRIEF VON THEOPHIL MARDER:
 

"Lieber Anian,
Ach, es ist hier paradiesisch.
Diese Ruhe, der Geruch und die
Farben... diese Eindrücke kann
ich dir gar nicht ‘rüberbringen.
Aber die große Offenbarung des
Lebens habe ich hier nicht, wie
erhofft, im Gegenteil: SUCHEN,
Irren, Fallen, Staunen, Stürzen,
Hoffen ...
Das Karussell dreht
sich auch in Indien ..."
 
 

Stille (Nur der WIND)
MUSIK: Miles Davis - "SIESTA"
 

 
 
ZWEITER PROLOG
 

ZAUBERWESEN
(gesprochen von TINTIN QUARANTINIO)


 
Auszug aus „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“,
von Philip Ridley

 

„Bei unserer Geburt sind wir Zauberwesen. Wenn wir zur Welt kommen, sind wir noch geblendet von den Geheimnissen, die uns ein Tierkreis aus Blut zugeraunt hat. Im Mutterleib schwimmen Blutzellen zu unseren Augen herein und heraus wie winzige Kometen, die uns mit Geschichten beschenken: den Legenden der Dinge, ihren Namen; und wenn wir uns dann den Weg aus unserer geweihten Fruchtblase herausbahnen, sind wir schon Zauberer. Wir schreien, aber nicht vor Schmerz oder Angst, sondern vor Staunen über die Wunder, die wir vielleicht zu vollbringen haben. Und das größte und wunderbarste all dieser Wunder ist die Liebe.

Wir werden geboren mit der Fähigkeit, zu lieben. Zu lieben und geliebt zu werden. Gezeugt in Liebe, atmen wir die Liebe ein, wie wir einst Blut atmeten. Diese Liebe schimmert über uns wie ein quecksilbriger Heiligenschein. Sie dringt in unsere Augen, macht den Blick klar, dringt ins Gehirn, um uns Wissen zu spenden. Die Liebe umgibt und beschützt uns. Wir sind voller Zuversicht und sicher geborgen in dem Bewußtsein, daß unsere Pilgerfahrt schon begonnen hat. Jede Form von Magie trachtet nach anderen Formen von Magie, das liegt in der Natur der Sache. Unser Leben wird zur Reise, die dem Alleinsein ein Ende bereitet.

Wenn wir geboren werden, sind wir alle wunderbar. Aber mit der Zeit bekommen wir Masken, werden Straßen um uns errichtet. Mauern und Lügen engen uns ein, machen uns zu Gefangenen unserer eigenen Vernunft, lassen Herzen zu Stein erstarren, bis die Magie – die einst so hell funkelte – in unserem Gemüt dunkel und blasig wird und brennenden Schmerz hervorruft. Wir fangen an, uns überflüssig und mißgestaltet vorzukommen, werden bitter, weil unsere Kräfte ungenutzt verrotten.

Unsere Magie entfremdet uns, macht uns zu Parias und Störenfrieden, Engel werden zu Schreckgespenstern. Schließlich ziehen wir uns in uns selbst zurück, sinken immer mehr ab. Endgültig gebrochen, verleugnen wir unsere Magie und den Wunderglauben, bis wir schließlich völlig hilflos sind.

Wenn wir geboren werden, sind wir liebende Zauberwesen voller Wunder. Aber überall umgibt uns Dunkelheit und Dummheit, bis uns dann eines Tages jemand Monster oder Teufel nennt und wir ihm auch noch glauben.“

 
DRITTER PROLOG:

Einblendung:

ERNEUT GELÄCHTER, DAZWISCHEN DIE ALPTRAUM-HAFTEN KLÄNGE ZUR JETZT-REALITÄT:
36 Kriege, Genua, Twin Towers, Auschwitz, Verdun, Hunger, Armut, AIDS, globaler Faschisten-Aufmarsch, RTL-NTV-CNN-Lügenschnipsel, zum Elend der Weltregierung, von Wirtschaftsfaschismus zu Polizeistaats-Terror etc.

bzw. einfach
MUSIK: ROUGH AGE - "Yen for Noise"