Der Schuljungen-Report

 
 

13.

BRIEFE AUS SHAMBALA
 
(Indische Entspannungsmusik)

 

THEOPHIL MARDER:
"Lieber ANIAN, aus tiefster glücklicher Einsamkeit ein letzter Versuch, dir einen Brief zu verfassen. Nun liege ich darnieder im Paravati-Tale in Manikaram, der tobende Gebirgsfluß singt mit seinem Rauschen ein ewig Liedlein, und ich bin so voll mit wunschloser Zufriedenheit und Einsamkeit. In diesem Teil findet noch der irrste Geist seine Ruhe, zwischen den sich in den Himmel erstreckenden Bergen und Gletschern des Himalaya. Die heiligen heißen Quellen laden zum Baden ein. Pilger aus ganz Indien kommen hierher. Viele Babas leben hier (das sind Heilige und Hippies)... Im Sikh-Tempel bekommt man kostenlos Zimmer, Essen und Tee; und ständig wird aus dem heiligen Buch vorgesungen."

Zap-Geräusch (Chumbawumba)
Indische Anti-Entspannungsmusik
 

THEOPHIL MARDER:
"Ich sitze an einem schrecklichen Busbahnhof, wo es schrecklich laut ist, da die Busse nur noch mit ihren unerträglichen Schiffshupen sich gegenseitig den Weg freihupen. Dazu sehr laute indische Musik, Sing-Sang mit Tüttel-Tü aus "krächzenden" Boxen. Dazu der Gestank aus dem Rinnstein nach Scheiße und Pisse, dazu staubige und rußige Luft - Indien von seiner schönsten und lebendigsten Seite."
 

Throbbing Gristle - "In The Shadow Of The Sun"
 

(Großstadtlärm, übergeblendet in)

Frankie Goes To Hollywood - "WELCOME TO THE PLEASURE DOME“ (Anfang)
 
 

TINTIN QUARANTINIO:
"Vor dem Leben in Deutschland werde ich fliehen, ein für alle Mal. Hier in Deutschland hat das Leben keine Qualität mehr. Ich bin nur aus einem einzigen Grund noch hier, nämlich daß ich nicht wegkann, und daß ich anderswo verhungern würde. Hier verhungere ich ja auch beinahe. Aber ich muß fort. EMIGRIEREN als letzte große Tat, ein letztes großes Zeichen. Wenn die Vernunft zum Leben in irgendeinem Bezug stehen soll, dann muß dies ihre einzige Aussage sein: weg von hier."
 
 

Musik: Richard Wagner - "RHEINGOLD"

 
  

Auszug aus "Das Abenteuerliche Herz",
von ERNST JÜNGER (redigierte Fassung):

 
"Betrachte dein Leben als einen Traum von 1000 Träumen - und betrachte jeden Traum als besonderen Aufschluß über die WIRKLICHKEIT. Du kannst das, weil du den magischen Schlüssel besitzt.

Das eigentliche Leben breitet sich nämlich aus in diesen Träumen, in diesen Formen, und das Leben zersplittert sich in diese Formen. So wird sich das Leben seiner selbst im Vielfältigen bewußt. Das Leben verschlingt sich in seinen Formen - seinen 1000 Träumen - um sich zu sättigen an sich selbst.

Jede Ordnung trägt schon die Träume im Schoß, in denen der Untergang dieser Ordnung beschlossen liegt. Und jeder Traum schießt in kristallische Ordnungen aus. Die Bilder sind tiefer als ihr Abglanz, der zwischen silbernen und stählernen Spiegeln hin- und zurückgeworfen wird.

Du mußt das wissen, weil ein gewaltiger Angriff in Vorbereitung ist: Ein Angriff der Wirklichkeit gegen die Realität - ein Angriff des Lebens gegen seine Formen. Deswegen verlangt diese Zeit eine Tugend vor allen anderen: die Tugend der Entschiedenheit. Du mußt 'wollen' und 'glauben' können, ganz abgesehen von den Inhalten, die sich dieses Wollen und Glauben gibt.

Um der großen Gefahr zu entgehen, das Leben mit einer seiner Formen zu verwechseln (einer Verwechslung, die viele tüchtige Leute in unhaltbare Stellungen drängt), ist es ein gutes Mittel, diese Formen gegeneinander auszuspielen und auszutauschen. Werde in keiner Haut und bei keiner Partei warm! So blickst du am sichersten auf die Zone deiner tieferen Fruchtbarkeit. So hast du am wenigsten zu verteidigen und kannst zugleich am schärfsten angreifen.

Alles, was heute im Kampf liegt um Fahnen, Zeichen, um Gesetze und Dogmen, um Ordnungen und Systeme - alles das treibt Spiegelfechterei. Schon dein Abscheu gegen all die Probleme und gegen jede mögliche Art ihrer Lösung verrät, daß es nicht Antworten sind, die du benötigst, sondern Fragestellungen. Du brauchst nicht Fahnen, sondern Kämpfende, du brauchst nicht Ordnungen, sondern Aufstände, du bedarfst nicht der Systeme, sondern der Menschen."


 
 
TINTIN:
"INDIEN - seine Landschaften sind von dem dunklen Blau der TRÄUME MEINER KINDHEIT. Ich kann nach INDIEN nicht gehen, aber ich habe es mir hierhergeholt. Ich atme, atme, atme. Mein Paradies finde ich in der Zufriedenheit mit mir selbst und dem ruhigeren Fluß zu den Dingen.

 
Auszug aus "IRRE",
von RAINALD GOETZ:
 

"Was ich zu wissen glaubte, darf jetzt nicht einmal Hoffnung heißen, sondern steht nur als stinkendes Fräglein, und sogar als ein solchernes Elend immer noch unerlaubt kühn, feige und stinkend vor mir."
TINTIN:
"Eine Frage an MICH - eine Frage an mein JETZT - eine Frage an meine TATEN. Unausgesprochenes und niemals Erahntes, es wartet darauf, von mir zu werden."


 
 
 
(Naturgeräusche, Vögelsingen, Grillenzirpen)

 
 
SAPHIRA:
"Das Letzte Bild: Die Kamera fährt langsam durch die dunklen Blumen und Sträucher der tiefblauen Nacht. Sie scheinen gar nicht echt zu sein, wie eine Studio-Dekoration. Schließlich leuchtet erneut der Mond auf das Blatt einer Blume. Und auf diesem Blatt, unscheinbar, verpuppt sich gerade eine RAUPE."

 
 
 
E N D E




 
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