Der Schuljungen-Report



 
 
2.
WIE ES DENN ANFING?
 

SAPHIRA:
"Sie hören "DER SCHULJUNGEN-REPORT" ... "
 
 

ANIAN:
"Wie es denn anfing? Ich war ein Junge, siebzehn Jahre alt. Ich wohnte in der verfluchten Stadt und schrieb die folgenden Zeilen:

"Ich habe von einem Feuer geträumt, das ich selber angezündet hatte. Es breitete sich unglaublich schnell aus, und ich dachte angstvoll, daß es gelöscht werden mußte, doch da hatte es mich bereits umfangen und eingeschlossen. Ich wachte auf, aber ich hatte keine Angst mehr, als ich wach war. Ich bin sehr glücklich über diesen Traum, denn dieses Feuer ist die Leidenschaft meiner Seele. Bisher habe ich immer vergeblich versucht, diese Leidenschaft zu spüren. Jetzt werde ich sie nicht mehr verlieren, und ich werde mich auch nicht von ihr aufzehren lassen wie in dem Traum."

 
  

SAPHIRA:

Nancy Sinatra hat das schon gesungen, für James Bond hat sie es gesungen:

"Du lebst nur zweimal, oder so scheint es zumindest:
Ein Leben für dich, und eines in deinen Träumen.
Du treibst durch die Jahre, und das Leben fließt dahin ohne Aufregung
- bis ein TRAUM auftaucht, und dieser Traum hat den Namen LIEBE.
Und die Liebe ist ein Fremder, der dich fortlockt.
Denk nicht an die Gefahr, oder der Fremde wird fort sein.
Dieser Traum ist für dich - also bezahle den Preis.
Laß deinen Traum wahr werden, denn du lebst nur zweimal."


MUSIK: Grace Jones - "HERE COMES THE STORM AGAIN"



 

MUSIK: Maurice Ravel - "Daphnis et Chloé"
Dazu:

 
SAPHIRA:
"Das erste Bild: Der Blick gleitet elegant durch das lange Blau der Nacht - vorbei an den dunklen (in unmittelbarer Nähe riesengroß wirkenden) Blumen, über das weiche Moos hinweg, vorbei an einem eindrucksvollen Spinnen-Netz.

Auf der anderen Seite auf einem Blumenblatt, das zweite Bild: Der Schmetterling entschlüpft dem Kokon."
 
 

ANIAN:
"Ich wachte auf aus dem FEUERTRAUM, und zum ersten Mal erwachte ich zu LEBEN. Ach ja - meinen Namen noch. Genannt werde ich ANIAN, ihr könnt von mir hören im fünfzehnten Gesang.

 
(Folgende Geräusche sind zu hören: Straßenlärm, Großstadtgeräusche, Hafenanlage, Musik-Dampfer und Regenprasseln)
 

"Mein Leben beginnt in dieser verfluchten und verkommenen Stadt, in der ich gestrandet bin. Was für ein Leben ... Ich bin teilnahmslos, verrucht, verloren, ohne Orientierung, schuldig, ziellos, im Chaos.
 

Das Kind, das ich war, hat sich tief in mir versteckt. Diese Stadt hatte mich aufgenommen als einen der ihren. Wie alle anderen bin ich wild, besinnungslos, arm und hungrig. Für die Dinge, ohne die ich nicht leben kann, bROT, kÄSE UND wEIN, für ein Dach überm Kopf, dafür habe ich mich verkauft. Meine Schwerelosigkeit, meine Freiheit, meine Liebe, meine Unschuld, meine strahlende Kraft, alles Heilige, was ich mal war - alles das war fort ... Dem Pfandleiher abhandengekommen.
 

Nun muß ich herausfinden, wie und wo ich alles wieder finden kann - denn das Feuer meines Traumes ist unvergessen in mir.

MUSIK: Fehlfarben - "ALL THAT HEAVEN ALLOWS" (Schluß)
 



 

MUSIK: Dog Faced Hermans - "EL DOGGO"
 

SAPHIRA:
"Anian liegt todmüde im Bett eines Freundes namens Theophil Marder, ein braver Musterschüler, bei dem er übernachten darf, und fällt sofort in einen tiefen Schlaf.

 
In seinen wilden, unbezwingbaren Träumen stürzt Anian in einen WIRBEL, einen Farb-Strudel, er stürzt an einen anderen Ort, in eine andere Zeit: Die WELT ist pure Leidenschaft, und wir sind nur der Spiegel, auf dem diese Leidenschaft spielt und glänzt."
 

MUSIK: HAFLER TRIO (ab Minute 27)
MUSIK: BARRY GRAY - "BLACK SUN"