Der Schuljungen-Report



3.
M O N D E N K I N D S C H A F T
 
 

Windgeräusche
MUSIK: DAVID BOWIE - "Moss Garden"
 

SAPHIRA:
"Wie war dein Leben vor dem Feuertraum, Anian? Wie war dein Leben als Mondenkind?"

ANIAN:
"Ich bin meinen Eltern nur selten begegnet, auch wenn sie dauernd da waren. Nur selten begegnet ein Kind seinen Eltern. Meistens begegnet es nur Leuten, die sich zu sehr aneinander gewöhnt haben und nicht mehr das Wunderbare suchen, wie sie es doch gemeinsam hatten tun wollen. Du begegnest Äußerlichkeiten, die wie Masken sind - und erfährst nur selten, wer deine Eltern wirklich gewesen sind.

Ich war ihnen so fremd, und mir auch. Inzwischen weiß ich, warum...

Diese Menschen, bei denen ich aufgewachsen bin, die sind gar nicht meine Eltern! Sie haben mich nur aufgezogen, weil ich meinen richtigen Eltern weggenommen wurde.

Meine richtige Mutter war eine Hure, und mein Vater mußte fliehen, als ich zur Welt kam. Er ist der schlimmste Verbrecher, er hat das größte Unrecht begangen, wozu ein Mensch fähig ist.
 
 

Niemand wollte mir sagen, was sein Verbrechen war! Niemand wollte mir sagen, wo ich meine Mutter finden kann.

Alle sagten nur, ich sei verrückt - und meine Zieheltern weinten. Sie denken scheinbar, daß sie meine wirklichen Eltern sind... Doch da gibt es noch etwas, das ich niemandem erzählt habe. Ich hatte Angst, ebenso verjagt zu werden wie mein Vater.
 

Aber der Mondenjunge, das Kind, das ich war, hatte in seinem Herzen Kenntnis um Dinge, die sonst keiner weiß. Und dieses Geheimnis weiß ich immer noch: wie die LIEBE funktioniert. Nicht das alte abgedroschene, bedeutungslose Wort ohne Substanz - sondern die stets neu zu erfindende Liebe, das großartige und wunderbare Ding, das alle sowohl im Speziellen wie auch im Allgemeinen zu finden erhoffen! Ich weiß, wie es geht, wie der größte Erfinder. Aber das Geheimnis mußte tief in mir bleiben, verborgen vor den anderen. Die anderen wollten nichts wissen und hatten Angst - denn sie gaben mir nicht die Worte, um das Geheimnis auszusprechen... Vielleicht würden sie mich töten, wenn ich die Worte fände.
 
 

Also begann ich, meine Flucht vorzubereiten."
 

MUSIK: SILLY - „HINTENVORN“