T R Ä U M E    V O M    K A T E G O R I S C H E N    I M P E R A T I V

1966 - 1999
 
 

In dieser Welt, in der ich träume, schreibe ich selbst die Geschichte im Buch aus Zeit und Raum, die mein Leben genannt wird, und niemand anders.

Und der Junge, den ich liebe, geht in die Supermarkttempel und bringt die Konservendosenpyramiden zum Einsturz. Dabei schreit er: "Ihr macht das Haus meines Vaters zu einem Jahrmarkt!" Das Haus, das er meint, ist nicht eines aus Stein, sondern aus Gedanken und Gefühlen.
 

An den Fenstern der haltenden Straßenbahn, gegen die der Regen heftig prasselt, oder bei den Pfützen im Stadtpark, die im wolkendurchbrechenden Silberlicht glitzern, da begegne ich diesem Jungen, den ich liebe, und in der Welt, in der ich träume, da ist er neugierig und braucht keine Angst vor sich selber zu haben - es gibt keine Verbote (gegen was auch?)...

(Wie wir uns ansehen! In diesem Stummsein voller Spannung, dieser funkelnden Blicke - ich spüre, wie es in uns beiden losgeht, dieses ersehnte und aufregende Kribbeln.)

Einer von uns hat einen Frisbee dabei und sagt: "Lass uns spielen", und wir laufen fort von dem Ort, an dem wir auf nichts warten können. Wir rennen. Wir tollen über die frühlingsnassen Wiesen, wir jagen und fangen uns, wir werfen uns ins Gras und fallen aufeinander. Der Frisbee ist davongeflogen. Unser Gelächter steigt auf wie eine Blütenstaubexplosion und vermischt sich mit den Harfen- und Flötenklängen, die über unseren Körpern erklingen. Die anderen Spaziergänger schauen uns vergnügt zu - warum etwas anderes tun, als einfach nur teilzunehmen am Glück anderer?
 

Wir spielen das Spiel des Lebens, den Ernst der Liebe, und keinen kümmert es in dieser Welt, in der ich träume, wenn wir einfach tun, was wir beide wollen, dürfen - und sogar müssen, denn wir hindern damit keinen anderen daran, auch zu tun, was er will.

Zu denen, die nicht in dieser Welt träumen, sage ich: "Ihr könnt über mich lachen, wenn ihr wollt, aber in der Weite dieses Hauses aus Gedanken und Gefühlen ist genug Platz, daß wir alle zusammen darin Unrecht haben können."

Wir sitzen im verwilderten Garten am Brunnenrand, nahe der von Efeu überwachsenen Steintreppe zur Terrasse, auf den Lippen haben wir noch das Gefühl unserer vergangenen Küsse, und wir lösen uns auf, werden zu einem Ton in der "Verklärten Nacht" von Arnold Schönberg, oder verschwinden einfach, dunkle Silhouetten vor der Abendsonne, die zu groß und zu orange-lila ist, um echt zu sein, Hand in Hand, unterwegs zum Ufer des nächsten Tages.

 
 
E N D E


 

 

Copyleft 2000 Daniel Emerson Aldridge
   


 
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