the lives and time of
Daniel Emerson Aldridge

oder


auf unendlich dünnem grat


Karte 16

(Karte 16, fiktive Zeitrechnung)

Karte 30

(Karte 30, fiktive Zeitrechnung)





1. "Die Vergangenheit ist ein fernes Land. Dort verhält man sich anders."  *




Als Schuljunge malte ich Landkarten nicht existierender Länder, später schrieb ich Science Fiction und surrealistische Traumskizzen. Von den frühen Science-Fiction-Geschichten ist die Romantrilogie "ATHANAKREON" noch erhalten. Außerdem existieren Fragmente einer Abenteuerserie über drei jugendliche Geheimagenten im Weltall, die jedoch in einer geplanten Weltraumgeschichte mit dem Titel LIGHTRACER Verwendung finden werden.

1983 schrieb ich ich im zarten Alter von siebzehn Jahren die Kurzgeschichte "JOHNNYS TRAUM VON DER FREIHEIT" , mit der ich mich zum ersten Mal aus dem Themenkomplex Science Fiction löste.

Im selben Jahr nahm ich außerdem am Wettbewerb TALENTE '83 der Zeitung "Nürnberger Nachrichten" teil und gewann den Ersten Preis (diesen Wettbewerb gab es übrigens nur ein einziges Mal, denn er sollte dem Blatt Publicity bringen, brachte ihm aber nicht mehr, als es bereits hatte). Ich erhielt diesen Preis für eine Science-Fiction-Kurzgeschichte namens "AUSBRUCH", welche 1984 auch in der Dezemberausgabe des damals vierteljährlich erscheinenden "LITERARISCHEN ARBEITSJOURNALS" der Kanalpresse Weißenburg veröffentlicht wurde.

Ermutigt durch die ersten Erfolge begann ich die Arbeit an "Die wundersame Reise eines kleinen Jungen und seines blauen Plastikdelphins", einem sog. FREESTYLE-ROMAN, welcher als literarisches Äquivalent zu einem Roadmovie die beiden Titelfiguren durch Szenen diverser mehr oder weniger bedeutender Romane, Filme, Comics und auch Popsongs wandern ließ. Seinem von mir damals nur undeutlich realisierten Prinzip des programmatischen Plagiarismus à la Kathy Acker (von der ich erst später erfahren sollte) wurde weitgehend völliges Unverständnis seitens meiner damaligen literarischen Jugendbekanntschaften, Harald Schulze und Birol Denizeri, entgegengebracht, daher landete das Werk im Mülleimer - bedauerlicherweise, wie ich heutzutage angesichts des Erfolges von Helene Hegemann sagen müsste (es aber nicht tue).
 
Ein anderer Text aus dem Jahre 1985 namens "GRENZEN" wurde ebenfalls im "LITERARISCHEN ARBEITSJOURNAL" veröffentlicht. Bei meiner Teilnahme an den Weißenburger Tagen der Literatur in den Jahren 1985 als auch 1986 begegnete ich zum ersten Mal anderen in Fachkreisen sehr geschätzten Schriftstellern von Format (u.a. der großartigen Imme Rupprecht, Wolf Eismann, Raimund Petschner, Gerald Fründt, Eveline Passet, Koschka Hildenbrand und natürlich Otto Winzen).


Mein schwules Coming-Out lenkte auch meine künstlerische Laufbahn in neue Richtungen:
 
1991 wirkte ich im Frühjahr bei dem ca. zweieinhalb Minuten langen Fürther Tanz-Performance-Projekt "PIZZICATO IN HEAVEN" mit, im Herbst drehte ich dadaistische Kurz-Filme mit einem ungewöhnlichen jungen Sanguiniker und Exzentriker, der sich für einige Zeit  Theophil Marder  nannte.

Das erfolgreichste Projekt, an dessen Durchführung ich im Anschluss beteiligt war, war
wohl der Aufklärungs-Streifen "ANDERS ALS NORMAL" der Schwulen Videogruppe Nürnberg, in dem ich u.a. einen Friseur persiflierte. Dieser Film heimschte Preise ein sowohl beim Nürnberger Kurzfilm-Festival 1992 als auch beim Bayerischen Kurzfilmfestival 1993.
 
Dann gehörte ich auch, noch im Jahre 1992, zu den Gewinnern des Fantasy-Literaturwettbewerbs des Bruno-Gmünder-Verlages Berlin mit der mythischen Masturbationsphantasie "DER SPRUNG INS INNERE" - diese wurde im selben Jahr auch in der Anthologie "SCHWANENFLUG" besagten Verlages veröffentlicht. Des Weiteren gewann ich unter einem weiteren Künstlernamen (Imo Schmack) beim Nürnberger Kurzfilm-Festival 1992 einen Sonderpreis für meine Ton-Dia-Schau "SOFT MACHINE", für die ich erstmalig besondere Kopier- und Maltechniken vereinte, welche bislang in der Diakunst nicht verwendet worden waren.
 

Ein zweites Ton-Dia-Projekt namens "THE DRUNKEN BOAT" inszenierte ich 1993 in San Francisco für ein kabbalistisches Ecstasy-Happening eines bezaubernden esoterischen Jünglings namens Donald Waterflower (der sich selber jedoch nur Logos nannte) - jedoch ging am Abend der Veranstaltung der Projektor kaputt, und das kryptozoide Werk kam nie zur Aufführung.

 
 

Meine bislang größten Erfolge konnte ich ohne Zweifel bei dem kleinen Nürnberger Lokalsender Radio Z  feiern, als ich durch meine Mitwirkung beim "FLIEDERFUNK", dem schwulen Magazin von Radio Z, in die glückliche Lage kam, ein paar Kopfhörer-Sendungen zu machen (die "Sendung für Kopfhörer" war ein Programm für Texte und Musik, das ich jedoch stets als groß angelegten ESSAY mit eigenen Texten gestaltete, bei dem die Musik nur gewissermaßen Ambient-Charakter hatte; und meine Inhalte waren auch in einer bestimmten Art und Weise radikal - so dass den Funktionären der Bayerischen Landesmedienanstalt in München die Haare immer noch zu Berge stünden - wenn sie damals genau zugehört hätten.

Den künstlerischen Höhepunkt meines Schaffens in jener Phase repräsentiert die zweieinhalbstündige Gedenksendung zum zehnten Todestag von Klaus Nomi am 6. August 1993 .

Inzwischen hatte ich übrigens angefangen, auch selber zu singen; u.a. sang ich Romy Haags Song "Die Verruchte" auf einer Radio Z-Solidaritäts-Veranstaltung am 22. Januar des Jahres 1994 und trat am 12. März desselben Jahres bei der "HILDE FOR PRESIDENT"-Party in der Fürther Kofferfabrik auf  ...   -  die Darstellung von Hildegard Knef gehört zu den stimmlich überzeugendsten Imitationen in der Welt des Travestietrashs (Audio Engineering by Rashad, Berlin).

Bereits zu diesem Zeitpunkt jedoch begannen DIE JAHRE DES SCHEITERNS. Aufgrund eines Beitrags im "FLIEDERFUNK" über die Nürnberger Leder- und SM-Szene (leider nicht von mir, sondern von Claasen) wurde die gesamte Redaktion des Schwulen Magazins in einer hysterischen Radio-Z-Vorstandssitzung suspendiert! D.h., meine Beiträge mussten unter noch einem weiteren Künstlernamen von Aushilfssprechern vorgelesen werden - gleichzeitig mussten die FLIEDERFUNK-Sendungen vorproduziert und dem Bayerischen Medienrat vorgelegt werden, welcher erst seine Zustimmung erteilen musste und mehrmals durch Zensur Eingriffe vornahm. Ausführlichere Beobachtungen zu diesen Ereignissen finden sich übrigens im Rahmen des kleinen Essays MACHT LIEBE.

Ich floh vor diesem Irrsinn nach Berlin, danach folgte eine Zeit hedonistischer Ausschweifungen und Ekstase, ohne jegliche Form künstlerischer Aktivitäten (allereinzigste Ausnahme bildete 1996 die Teilnahme an Spunk Seipels Kunstprojekt "MAILaRT documentation : mein vorbild/my model", für das ich ein weiteres Mal meinem damaligen Idol und Vorbild Klaus Nomi huldigte (zum ersten Mal in den Bereich der Malerei vorstoßend).

Nach ereignislosen Jahren der Ausdruckslosigkeit kehrte ich auf der Raumstation c-base zu meiner Arbeit zurück. Ich kehrte außerdem zurück zu meinen ureigensten Wurzeln - der traditionellen New Wave Science Fiction. So hielt ich im Jahre 1999 zwei LESUNGEN auf der c-base: Im Februar trug ich eine überarbeitete Fassung der "SATURNALIEN" vor. Am 22. Juli 1999 las ich zum ersten Mal einen Ausschnitt aus meinem bislang unveröffentlichten Mammut-Epos "ATHANAKREON" vor: das kurze Segment trägt den Titel "DAS ORCHESTER VON MALUN".


Ebenfalls 1999 gelangte mein Marionettentheaterstück "FURIAN STURMLÖFFEL" zur Aufführung, unter der Regie meiner Schwester Karoline: ein märchenhaftes Abenteuer einer frigiden Prinzessin, eines homosexuellen Zauberlehrlings, eines Königs, einer Hexe, eines Räubers und Revolutionärs, eines Zauberers, eines kleinen Elefanten, eines Chefkochs, eines Majordomus, eines Goldenen Vogels der Weisheit sowie des Drachen FRONOBOLAX, die versuchen, den Untergang des Universums zu verhindern ...

Amthys und Furian

(ein Bild von der Prinzessin Amthys mit Furian Sturmlöffel)

Eine vierteilige Hörspielfassung des Audiotracks mit zusätzlichen Szenen und Musikstücken wurde geraume Zeit später, d.h. in den Monaten Mai und Juni des Jahres 2006, im Rahmen der Sendereihe "Schlampenreport Deluxe" (siehe unten) auf dem Offenen Kanal Berlin ausgestrahlt.

In noch unerwarteter Weise trat ich erneut ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, als mein elementarer Gönner Spunk Seipel im Oktober 1999 seine eigene Kunstgalerie EXPO 3000 in Berlin-Friedrichshain eröffnete. Unter dem Titel "cRASH mODULES - LITERARISCHE PERFORMANCE" streifte ich dort im gleichen Monat als Weltenwanderer in einer imaginären Kunstlandschaft aus Bücherstapeln einher und las aus all den vielen Büchern bestimmte Passagen vor (planlos und x-beliebig schien dabei die Auswahl, fast wie Zapping durch's Fernsehprogramm - elektrisierende Worte formten ein meta-sexuelles Sinngebilde im Stile der DADA-Montage und CUT-UP-Verfahren, im Kopf des Zuhörers erschloss sich auf diese Art und Weise trotzdem ein sinnvoller und sinnlicher Text zur Thematik der Weltrevolution. Eine bunte Auswahl aus meinen eigenen Geschichten bahnte sich bei diesen fünf Lesungen an den Sonntagen des Oktobers 1999 zum ersten Mal ihren Weg an die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel "DIE BLUMEN DER KOHÄRENZ" oder der selbstredend jugendfreie pseudophilosophische Essay "SCHULJUNGENREPORT".

"NÄHER ALS DU DENKST" - eine weitere Lesung im EXPO 3000 folgte am 26. Februar 2000 mit dem hervorragenden Satiriker und Text-Collagisten Stefan Wirner sowie dem brillianten Lyriker und Dramatiker Peter Douglas, Kanada. Der Hype um den von mir ins Deutsche übersetzten Dichterfürsten aus der Fremde verpuffte jedoch allzu bald schon, ungerechterweise ...


Eine Facette rein akustischer Aktivität stellte die Mitarbeit an dem schwullesbischen RADIO KNACKPUNKT dar, welches inzwischen QUEERLIVE heißt (Sender: Offener Kanal Berlin, mittlerweile ALEX genannt). Von Januar 2000 bis Juli 2003 mischten sich hier Filmkritiken mit Analysen zum Diva-Ikonismus der Homosexuellen sowie ernsten historischen Referaten, u.a. zum Thema "Schwule Piraten in der Karibik des siebzehnten Jahrhunderts". Eine kleine Kollektion meiner schönsten Beiträge für diese Sendung findet sich in der Textgalerie STAUBIGE WORTE.

Es folgten als zusätzliche Akustik-Produktionen die Stilblüten in RADIO TRIEBHAFT, einem Spin-Off von KNACKPUNKT. In dieser Unterhaltungssendung des wunderbaren Pedro Sobisch ließ sich grundsätzlicheren Aspekten meiner Persönlichkeit zum Ausdruck verhelfen, nämlich einem auf ebenmäßigem Niveau gehaltenen klassischen Entertainment in sokratischem Gewande, jedoch ganz im poststrukturalistischen Stile. Zu meinem Bedauern stellte Sobisch diese Sendereihe im Januar 2001 unerwartet ein (noch bedauerlicher und unerwarteter war jedoch sicherlich sein unerklärliches Ableben im Jahre 2016). Eine kleine Kollektion meiner schönsten Beiträge für diese Sendung findet sich in der Textgalerie STAUBIGE WORTE.

 

Letztes Concept-Art-Projekt: "Dreams of Blue Behind This Veil of Souls" - eine Musik&Text-Collage im Rahmen der Wettbewerbsaktion des Kunstsalons EXPO 3000 zum Thema "MAHNMAL FÜR DEN ABGEWIESENEN DISCO-BESUCHER". Die Ausstellung der eingereichten Wettbewerbsbeiträge fand am 18. August 2000 statt, mein Beitrag erhielt Punkte, jedoch wurde er nicht prämiert. Zum Glück, wie gesagt werden sollte - als Erster Preis war von Spunk Seipel angeblich ein Meerschweinchen projektiert gewesen. Der Beitrag findet sich mit komplettem Sprechtext und Discomusikdekonstruktion auf der virtuellen klangwiese myspace (näheres zu dem damit verbundenen Projekt meiner Band siehe weiter unten).



Die Friedrichshain-Anthologie, erschienen im Sommer des Jahres 2001, vereinigt in bemerkenswerter Vielfalt und thematisch-stilistischer Unterschiedlichkeit die Werke der im Bezirk lebenden Dichter und Autoren. Es war mir eine besondere Freude, mich mit meiner dort abgedruckten Weihnachtsgeschichte auch in dieser Sammlung als repräsentiert wiederzufinden, noch dazu in der Gesellschaft der Dichterin Silke Galla, dem kraftvollen Wort-Visualizer Roman Fehr und - last but not least - dem besonderen Freund Götz Müller-Zimmermann, an dessen Projekt "Deep Space No" in der c-base im Jahre 1998 sich sicherlich noch mancher mit Wohlbehagen erinnern wird.


Meine langwährende Suche nach dem inneren Jungen spiegelt sich in meiner Suche nach dem Jungen in der Kunst. Der Junge in mir ist ein Traumgeschöpf, ein Engel, den es in der Realität nicht gibt, nie geben wird. In meiner Imagination taucht er gelegentlich auf, dann ist er mir nahe mit einer neugierigen Frage oder ermuntert mich, dem Impuls der Leichtigkeit zu folgen und wieder einmal einen mutigen Schritt durchs Leben zu wagen, so als sei ich Lolita und Jim Hawkins in einer Person. BOYS IN ART  ist eine Internetgalerie über dieses irreale Mondenkind, als Darstellung des Jungen in der Kunst - als Wunschbild, als Traumvorstellung, als Erinnerung an die ferne Kindheit, die ich nicht genügend ausgelebt hatte, als Leitpfad und Richtlinie für Unschuld, Wißbegierde, Frohsinn und Lebensfreude. Diese Galerie stellt (neben der Sektion SPACE OPERA - Photoromane) die ausführlichste Ergänzung meiner Internetpräsenz dar und ist so etwas wie ein äußerst persönliches Statement, das mit eigenem Kunstschaffen so gut wie überhaupt nichts mehr zu tun hat.


Meine erste eigene Radiosendung  CLUB VIERZEHN - das Experimentalpopmagazin  wurde am 23. März des Jahres 2002 auf dem Offenen Kanal Berlin ausgestrahlt - aufgrund einer eklatanten Fehleinstellung des Kompressors seitens der Redaktion, die vor mir gesendet hatte, war ich jedoch anfangs hoffnungslos untersteuert, ohne den Fehler lokalisieren zu können; dazu kommt sicherlich das zu diesem Zeitpunkt einzig verfügbare Behelfsstudio im Keller des OKB, in dem nichts, aber auch gar nichts, fader-startbar war - kurzum, die Sendung war ein Desaster. Dieses Experiment wiederholte ich daher umgehend:

Am 14. Mai 2002 erfolgte die Ausstrahlung meiner zweiten Solo-Sendung:
CLUB 20 - das Experimentaltonstudio.
 

In den Sommermonaten des Jahres 2002 sammelte ich mich schließlich zur schizophren anmutenden Anstrengung einer Vierfachkombination des auto-erotischen Rausches, der Askese, der Disziplin des Geistes und der Ungezügeltheit des ganzen Körpers. Die aus diesem Projekt (Arbeitstitel "CRAVE") resultierenden Widersprüchlichkeiten ergründeten sich wie ein Entwicklungsprozess eigener Art mit unerklärlichem seelisch-gedanklichen Fortschritt, an den die Maßstäbe totalitärer Fortschrittsapologeten und der moralisch-politisch-kulturell Alteingesessenen unserer engstirnigen Zeit nicht angelegt werden können. Mein Streben führte zusehends auf eine Ebene, die sich sogar mit den Mitteln der Kunst kaum in die Wirklichkeit transponieren ließe - vergleichbar mit dem Ideal der Auflösung des Rational-Bewussten zur Erreichung völliger Harmonie, oder auch vergleichbar mit dem Vergessen des eigenen Selbst, um daraufhin in einem absoluten Zustand des innerlichst gewollten Glücks der Symbiose sexueller Perversionen mit der wiedergefundenen, das All umfassenden Seelenschaft des weiten tiefen Atmens zu existieren ... Im Gegensatz zu Mishima oder van Gogh, die die einzige mögliche Synthese von Kunst und Wirklichkeit im Tod sahen, versuchte ich diese Synthese durch einen Rückzug von der Außenwelt mittels der totalen Meditation zu erreichen - dies mochte für Außenstehende, denen ich bei diesem Vorgang allerdings keine einzige Information mehr mitteilen konnte, wie eine totale irreversible Demenz wirken, stellte jedoch nur deren Simulation dar und war selbstverständlich ganz leicht rückgängig zu machen ... Auch das Hören des "Adagio for Strings" von Samuel Barber geriet deshalb zu einem ganz und gar invertierten Kunstakt - der unendlichen Verinnerlichung von Werden und Vergehen, von Entstehen und Auflösung. Es war ein Zustand, der in einen rein symbolischen Wahn der unbewussten (hundertprozentigen) Realisierung des Unerreichbaren mündet und daher logischerweise mit einem plötzlichen vorherigen Abbruch enden musste. So ist es denn daraufhin in der Tat zu einem entschiedenen Richtungswechsel unter der Flagge des Neo-Realismus gekommen, hin zur weltlichen, tatsächlichen Kunst sowie den dadurch zu Stande kommenden echten Hinwendungen zu anderen Menschen, ohne das bizarr-melancholische Eingesponnensein in die eigene Sci-Fi-Märchenknaben-Popfantasie, das einst wie ein wundervoller Traum war (die Kunst als Sublimation des Lebens), doch irgendwann wie ein lähmender Fluch funktionierte, ein Dogma, das mich vom Leben selber abhielt und das es nunmehr endgültig in eine "sinnvolle" Übereinstimmung mit meiner tatsächlichen Existenz zu bringen galt ... "Die Idee mit den Zetteln" (siehe weiter unten) begann ebenfalls zu diesem Zeitpunkt zu reifen.

 

Wenig später assistierte ich also meiner Schwester mit bescheidenen Drehbuchergänzungen und praktischer Puppenführung bei der Aufführung ihres Marionettentheaterstücks "DAS WEISSE ZAUBERPFERD" - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen irischen Kinderfilm aus dem Jahre 1995 - am 29. September 2002 in der bislang ersten Stadt außerhalb Italiens mit dem Etikett "Slow City", dem mittelfränkischen Hersbruck  - jenem Ort, an dem ich aufgewachsen und großgeworden war ... Bei dem Stück handelte es sich übrigens um ein kleines Kunstmärchen, in welchem auch der Drache FRONOBOLAX aus "FURIAN STURMLÖFFEL" eine fulminante Rückkehr feiern konnte ...


Ein kurzer Ausflug in den Schaffensbereich eines Filmrezensenten für die schwule Regenbogenpresse im Mai 2003 erwies sich bei zu sinnlichem Arbeitseinsatz als desillusionierend und unökonomisch: die Entwicklung einer
Rezension zum Film "Sophiiiie!" in der Zeitschrift MÄNNER AKTUELL verdeutlicht dies anschaulichst ...
 


Am 20. Juli 2003 beend(et)e ich schweren Herzens meine Zusammenarbeit mit Radio Knackpunkt - allerdings aus einfachem Grund: ich bin ja gar nicht mehr gut  ... ! Der ominöse
"SCHLAMPENREPORT DELUXE" (ein an die TV-Kulturmagazine Alexander Kluges angelehnter akustischer Wurmfortsatz des Hyperinformativismus) geht natürlich weiter, doch dazu an anderer Stelle mehr ... Nur soviel sei an dieser Stelle gesagt: Im Oktober und November 2003 strahlte ich die dreiteilige Sondersendung "A COLD GENIUS" aus, eine überarbeitete und um zusätzliche Elemente ergänzte Spezialedition der Klaus-Nomi-Gedenksendung.

Und auch in der Spezialsendung vom 14. Februar 2004 schritten mein charmanter Co-Moderator Nicolas Šustr und ich höchst galant die symbolische Galatreppe ins Hörfunkstudio Eins des Offenen Kanals Berlin herab und führten mit Stargast Detlef aus Detmold das philosophische Gespräch zum Thema "Verhindert die Schwulenbewegung den dritten Weltkrieg?". Ferner sei noch erwähnt, dass ein weiteres anderes Ich meiner Selbst, der UNDEFINIERBAREN STRANGECORE auflegende DJ Waldmeisterdandy, derzeit seine ersten Triumphe als Musikredakteur in besagter Radioshow feiern kann.


2004 realisierte ich den lange gehegten Wunsch zweier je zweistündiger Conceptsoundzyklen: zunächst strahlte ich auf dem Offenen Kanal Berlin Teil Eins und Teil Zwei von "VERBAL ESSENCE - TRUTH FUSIONS" aus, dann Teil Eins und Teil Zwei der Prototypversion des "MUSIKKASSETTENTÄNZER". Ebenso konnte ich eine überarbeitete Spezialfassung von "INSEL DER VERLORENEN WÜNSCHE" mit zusätzlichen Musik- und Textergänzungen im Oktober 2004 fertigstellen. Die ursprünglichen zwei Teile dieser Sendung ergänzte ich um einen Prolog sowie einen dritten Teil: die akustische Version der Urfassung von "A STORY OF POSTCARDS", eine dramatische Rückbesinnung auf die Entwicklung des Selbst: Die 33 gesprochenen Miniaturen thematisieren das Thema des Verlustes sexueller Unschuld in schwer fassbaren und quälenden Sentenzen, die zu einer hyperkitschigen opulenten Klangorgie geraten.

Neben meiner Radioaktivität kam es am 20. Juni 2005 durch die Theatergruppe der Universität Bayreuth, die Schwarzen Schafe, zur Aufführung von Variationen meines Theaterstücks "DIE TITANIK SINKT JA NUN DOCH NICHT"  (ein Theaterstück zu der fiktiven Begegnung historischer Figuren im Jahre 1912 auf einem Luxusdampfer im atlantischen Eismeer, kurz bevor dieser nicht sinkt - die ersten Entwürfe zu dem Stück stammten übrigens aus dem Jahre 1995, was man ja eigentlich aufgrund bestimmter Umstände nicht erwähnen müssen sollte).


(photo: aufführung der collage "Titanik" in Bayreuth)

Im Oktober des Jahres 2005 kam es außerdem noch zur Fertigstellung eines weiteren Segments aus dem ATHANAKREON-Epos, in welchem eine komplizierte Weltraumschlacht in einer Zeitschleife geschildert wird: "DIE MÖBIUS-DIFFRAKTION" !

Ein kurzes Travestie-Intermezzo am 10. Dezember 2005 als 'Mai Thai' anlässlich der Eröffnung der renovierten Herrentoilette des Kreuzberger Etablissements SOFIA des bereits öfter erwähnten Spunk Seipel sollte an dieser Stelle vielleicht doch noch Erwähnung finden. Man bescheinigte mir nach dem kurzen Auftritt erneut einen gewissen Grad an künstlerischer Überzeugungskraft. Noch vehementer übrigens: der erste Auftritt mit der neuen Punkband AUBERGE DE JEUNESSE KYOTO am 24. Februar 2006, ebenfalls in der Bar SOFIA. Die Musiker, die sich mir freundlicherweise für dieses Projekt zur Verfügung stellten, arbeiten normalerweise unter dem Namen ROHRPAUSE, jedoch nicht mit Akustikgitarren wie an diesem Abend (was sie aber ebenfalls gut können). Ich sang (stimmlich in etwa angelehnt an den jungen Daniel Johnston oder David Tibet) zwei Lieder zur Einweihung des dreitägigen "Daniel Emerson Aldridge Themenparks" (einem gigantischen Wandgemälde des genialen Spunk Seipel zur Illustration meines Faibles für Weltraumgeschichten und Shonen Ai).

 


Bild links:
Im Vordergrund THE PRINCE FORMERLY KNOWN AS THE AUTIST,
im Hintergrund ein Teil des "D.-E.-A.-Themenparks"
Bild rechts:
Im Vordergrund AUBERGE DE JEUNESSE, KYOTO,
im Hintergrund ein Teil des "D.-E.-A.-Themenparks"

Am 26. September 2006 wurden mittlerweile zwei meiner schönsten Radiobeiträge ("Schlampenexistenzgründungsansätze" und "Piraten!") im Rahmen des Festivals radioREVOLTEN - Festival zur Zukunft des Radios in Halle (veranstaltet von CORAX) auf der Festivalfrequenz 99,3 MHz ausgestrahlt.

Auch musikalisch ging es voran: Nach einigen Proben mit den Musikanten von Rohrpause und Komposition zweier neuer Musikstücke fand am 15. Dezember 2006 ein zweiter kleiner Auftritt von Auberge de Jeunesse Kyoto in der Bar SOFIA statt. Hierzu legte ich mir den Künstlernamen THE PRINCE FORMERLY KNOWN AS THE AUTIST zu (im folgenden nur noch mit T.P.f.k.a.T.A. abgekürzt).

Anläßlich dieser Veranstaltung wurde mir übrigens von Šustr und Seipel ein eigens für mich kreierter Cocktail namens PUNKROCK präsentiert (Sekt, Amaretto und Campari), dessen Geschmack den von Belanglosigkeit um ein Vielfaches übertrifft.
 

2007: Tod des Vaters. Tiefe Depression und toning down der kreativen Energie. Irren nach Neubeginn.

2008: Tod von Yma Sumac. Fertigstellung der endgültigen Fassung meiner Novelette "VOYAGE TO OBLIVION - TEIL II: THE SHONEN AI EUDEMONIUM", nach drei Jahren Pause endlich wieder einmal eine Science-Fiction-Geschichte.




Konzertplakat, Dezember 2006
AUBERGE DE JEUNESSE, KYOTO
und ROHRPAUSE
2009: Unter einem neuen Künstlernamen (ASPERGER DELUXE) Teilnahme an der Großen Antifaschistischen Revue am 20. April in der Bar SOFIA mit Vortrag zweier Lieder: "DAS SOZIALE PLASTIK" und "EIN SCHIFF WIRD KOMMEN". Reumütige Rückkehr zum Künstlernamen T.P.f.k.a.T.A. - zumindest im Hinblick auf musikalische Darbietungen. Im Juni Teilnahme am Theaterstück "Zack und weg" im Rahmen des Kurses "Darstellendes Spiel" am Kolleg Schöneberg, wo ich den zweiten Bildungsweg beschritt).

2010: DIE RÜCKKEHR DER TANZENDEN RIESENTORTEN, eine Berlinale-Rezension in der März/April-Ausgabe der "
GIGI - Zeitschrift für sexuelle Emanzipation" (als drittletzter Beitrag des allerletzten Heftes übrigens). Im Juni Teilnahme am Theaterstück "Babelfish Meets Arabboy" im Rahmen des Kurses "Darstellendes Spiel" am Kolleg Schöneberg.

2011: Am 30. April Mitwirkung am Theaterstück "Muschi Glas und der Wal" im Rahmen der Abendunterhaltung zum Koninginnedag in der Bar SOFIA. Am 24. Juni Mitwirkung am Theaterstück "Moderne Zeiten" im Rahmen des Kurses "Darstellendes Spiel" am Kolleg Schöneberg.

2012: Erste Entwürfe für eine Narratologie der Science Fiction, als deren quasi-revolutionäres Konzept hier die formale Extrapolation von "discours" und "narration" auf der Basis fünfdimensionaler und quantenmechanischer Gestaltungskriterien erwähnt sei.

2013: Mitwirkung bei der Organisation und der Durchführung des Workshops "ES GEHT VORAN? Fortschritt und Ende der Welt in der deutschsprachigen Popmusik der 70er und 80er Jahre"  im Rahmen des Institutstages der Deutschen und Niederländischen Philologie an der Freien Universität Berlin am 13. Juni 2013.

2014: Seit Januar als Technikkind Daniel Mitwirkung bei Rainbow City auf ALEX.

2015: Mit Schauspieler und Regisseur Ian Hansen, meinem zwischenzeitlich auf dem Plan erschienenen Co-Moderator, beschreitet der Schlampenreport Deluxe neue Wege, so zum Beispiel im Gespräch mit dem Autor Redfern Jon Barrett zum Thema Polyamorie. Da diese Sendung leider nicht archiviert wurde, ist für das Jahr 2017 eine Re-Imagination dieses Programms in Planung. Ian Hansen hingegen hat sich neuen Projekten gewidmet und verließ das Redaktionsteam wieder.

2016: Tod der Mutter. Es folgt eine Periode der Zusammen-, Ab- und Umbrüche. Diese dauert derzeit noch an.

2017: Im Herbst naht das Ende einer Ära, nämlich die letzte Sendung des Schlampenreports Deluxe (am 21. Oktober).


2.

Mittlerweile:

Das Entstehen des Instituts für Kinky Theory schließlich lässt sich nicht de facto als "Gründung" bezeichnen - da es sich seit Jahren geradezu unauffällig materialisiert - kaum bemerkt von seinen Partizipanten, vielschichtig und subtil, an verschiedenen Orten in verschiedenen Bezirken, mehr aus einer eigenen Notwendigkeit heraus, einem Selbstverständnis, das sich bildet - kein Kunstprodukt, kein Entschluss, der zu einem bestimmten Zeitpunkt von einer bestimmten Gruppe nach zermürbender Grundsatzdiskussion gefällt wurde  ... Es geht also mitnichten um eine Gegenposition zur Queer Theory, zu der wir uns in freundschaftlicher Verbundenheit äußern.

So der Stand der Dinge.


Daniel Emerson Aldridge


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* = dieses Zitat entstammt dem Prolog zum Film "THE GO-BETWEEN" ("DER MITTLER")
von Joseph Losey (Regie) und Harold Pinter (Drehbuch) nach dem Roman von L.P. Hartley

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